VB-Oberberg-GB2025

kollegen und dem Aufsichtsrat bewegt, die Dienstzeit nochmals zu verlängern, damit sorgfältige Weichenstellungen mit der nötigen Ruhe vollzogen werden konnten. Ich habe die Entscheidung der Vertragsverlängerung natürlich mit meiner Familie besprochen und von dort die uneingeschränkte Unterstützung erfahren. Kundennähe ist ein Begriff, den viele Banken verwenden. Bei Ihnen klingt es weniger nach Werbesatz, eher nach Strategie. Woran macht sich Kundennähe in der Praxis fest? Zum einen an der räumlichen Nähe mit kompetenten und engagierten Mitarbeitenden in den Geschäftsstellen vor Ort. Aber auch durch ein aufrichtiges Interesse an den Wünschen und Bedarfen unserer Kundinnen und Kunden. Nah bei den Menschen, an der Realität orientiert und als Finanzdienstleister persönlich ansprechbar, das ist für mich und uns die gelebte Praxis in einer Regionalbank. Viele Institute haben ihr Filialnetz zurückgebaut. Sie betonen eine dezentrale Ausrichtung. Warum? Wir leben und arbeiten in einer kleinstädtischen, ländlichen Region. Wir wissen aus unzähligen Gesprächen um die Erwartungshaltung der Menschen, auch der jungen Leute. Unsere Kundinnen und Kunden wünschen sich vornehmlich den persönlichen Kontakt und eine gute Erreichbarkeit, ergänzt um ein modernes Online-Banking-Angebot. Wir stellen alle Kommunikations- und Vertriebswege zur Verfügung. Der Kunde entscheidet, ob er uns vor Ort, telefonisch, per E-Mail oder digital kontaktiert. In einer Zeit, in der Preise und Produkte quasi austauschbar sind, bleibt unsere Präsenz vor Ort ein elementarer Wettbewerbsvorteil. Digitalisierung ist trotzdem nicht verhandelbar. Wo liegt aus Ihrer Sicht die Balance? Der Begriff Digitalisierung wird vielschichtig verwandt und häufig missverständlich interpretiert. Unser Selbstverständnis zu allen Facetten der Digitalisierung mündet immer in der Fragestellung, inwieweit technische Anwendungen jedweder Form den Menschen, innen und außen, einen Mehrwert bieten. Erkennen wir diesen, stehen wir dem Einsatz positiv gegenüber. Digitalisierung muss immer eine dienende und darf keine disruptive Funktion haben. Wenn Sie auf Ihre Amtszeit schauen, worauf sind Sie im Hinblick auf Mitarbeitende besonders stolz? Besonders stolz bin ich darauf, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer mit großem Engagement, verlässlich und mit hoher Identifikation im Hause und nach draußen gewirkt haben. Ebenso darauf, dass wir vielen jungen Menschen, vielen Auszubildenden eine Perspektive bieten und sie somit auch langfristig für unsere Bank gewinnen konnten. Sie waren zudem in überregionalen Gremien aktiv. Was hat Ihnen dieser Blick über den Tellerrand gebracht? Es hat mir geholfen, auch die übergeordneten Themen frühzeitig erkennen und sie für unser Haus Nutzen stiftend einbinden zu können. Man versteht die Zusammenhänge schneller, steckt tiefer in den strategischen Verbundthemen und kann gezielt in eine gute Vorbereitung investieren. Abseits dessen blicke ich auf viele wertvolle zwischenmenschliche Kontakte, die ich in der regionalen und bundesweiten Verbandsarbeit, meiner Zeit bei der DZ Bank AG und in der Bundesbank knüpfen konnte. Lassen Sie uns über den Übergang sprechen. Die Nachfolge ist geregelt: Andreas Neumann übernimmt zum 1. Juli 2026 den Vorstandsvorsitz, Jörn Richling wird stellvertretender Vorstandsvorsitzender, Marc Gottschlich kommt als neues Vorstandsmitglied hinzu. Was geben Sie diesem Trio mit? Einen gesunden Respekt vor der Aufgabe, verbunden mit dem nötigen Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, innere und äußere Erreichbarkeit sowie das Vertrauen in die Mannschaft. Eine gute Strategie ist wichtig, aber sie wirkt nur, wenn sie im Alltag von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen und mit Überzeugung umgesetzt wird. Zusammenhalt bleibt essenziell, nur so hat die Bank auch in der Vergangenheit die schwierigsten Situationen meistern können. 16

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