Verhaltener Anstieg des Privatkonsums Nach dem vor allem inflationsbedingten Rückgang im Vorjahr nahmen die preisbereinigten privaten Konsumausgaben 2024 wieder zu. Hierzu trug der nachlassende Preisauftrieb bei, der zusammen mit kräftigen Lohn- und Rentenzuwächsen zu Kaufkraftgewinnen führte. Die Wachstumsdynamik fiel aber verhalten aus, auch weil das vergleichsweise hohe Zinsniveau die Sparanreize verstärkte. Dämpfend auf die Konsumneigung wirkten zudem die wirtschaftspolitischen Unwägbarkeiten sowie die eingetrübten Konjunktur- und Beschäftigungsaussichten vieler Verbraucher. Stärker als die privaten Konsumausgaben legte der reale Staatskonsum zu. Wachstumsimpulse gingen hier unter anderem von den steigenden Sachleistungen im Gesundheits- und Pflegebereich aus. Eingetrübtes Investitionsumfeld Das Investitionsklima blieb schwach. Angesichts gedämpfter Absatzperspektiven, niedriger Kapazitätsauslastungen in der Industrie, gestiegener Finanzierungskosten und hoher Unsicherheiten – die mit dem Bruch der Ampel-Regierungskoalition in Deutschland und dem Wahlsieg Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen zum Jahresende nochmals zunahmen – gingen die preisbereinigten Ausrüstungsinvestitionen spürbar zurück. Der Rückgang wäre noch deutlicher ausgefallen, wenn der Staat seine Investitionen im Rahmen des Sondervermögens Bundeswehr nicht ausgeweitet hätte. Bei den realen Bauinvestitionen setzte sich der Abwärtstrend der Vorjahre fort. Im Wohnungsbau und im Wirtschaftsbau wurde erheblich weniger investiert, während sich der öffentliche Bau vergleichsweise robust zeigte. Exporte weiterhin rückläufig Die preisbereinigten Exporte der deutschen Wirtschaft gingen 2024 erneut moderat zurück. Dies ist auch auf strukturelle Probleme der hiesigen Exportwirtschaft zurückzuführen. So haben die Investitionsgüterproduzenten innerhalb der deutschen Industrie eine hohe Bedeutung und die weltweite Nachfrage nach diesen Produkten war relativ schwach. Zudem dämpfte die Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums die deutschen Exporteure aufgrund der hohen außenwirtschaftlichen Verflechtung mit diesem Land stärker. Darüber hinaus verschlechterten auch die zunehmende Konkurrenz durch Industriegüter aus China und die im internationalen Vergleich überdurchschnittlichen Strom- und Gaspreise die Wettbewerbsposition der inländischen Unternehmen auf den Auslandsmärkten. Da zudem die Importe nach Deutschland etwas stiegen, dämpfte der Außenhandel als Ganzes die gesamtwirtschaftliche Entwicklung merklich. Höheres Budgetdefizit der öffentlichen Hand Das gesamtstaatliche Finanzierungsdefizit erhöhte sich gegenüber 2023 um 15,0 auf 118,8 Milliarden Euro. Zwar stiegen die Staatseinnahmen stärker als im Vorjahr, befördert unter anderem durch das Auslaufen von Mehrwertsteuervergünstigungen für Gas und Gaststättendienstleistungen sowie die weitere Anhebung des nationalen CO₂-Preises. Die Staatsausgaben legten jedoch ähnlich stark zu, trotz der abmildernden Wirkung des Auslaufens der staatlichen Preisbremsen für Strom und Gas. Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen ergab sich ein leichter Anstieg der Defizitquote von 2,5 % im Vorjahr auf 2,8 % im Berichtsjahr. Auch die staatliche Schuldenquote dürfte auf dem 2023 erreichten Niveau (rund 63 Prozent) geblieben sein. Mehr Arbeitslose und mehr Erwerbstätige Die hartnäckige Wirtschaftsschwäche hinterließ auf dem Arbeitsmarkt deutliche Spuren. Erneut stieg die Arbeitslosenzahl leicht an. Sie kletterte im Jahresdurchschnitt 2024 um 178.000 auf knapp 2,8 Millionen Menschen und damit auf den höchsten Stand seit 2015. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich von 5,7 Prozent im Vorjahr auf 6,0 Prozent. Allerdings legte auch die Erwerbstätigkeit weiter zu, trotz des konjunkturellen Gegenwinds und trotz der voranschreitenden Überalterung der Bevölkerung. Die Erwerbstätigenzahl stieg um 71.000 auf einen neuen Rekordstand von knapp 46,1 Millionen Menschen. Ausschlaggebend für den Anstieg war vor allem der abermalige Beschäftigungsaufbau im öffentlichen Dienst sowie im Sozial- und Gesundheitswesen. 5
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